
Das Erschöpfte und das Erschaffende
Was Erschöpfung uns lehrt
Das Erschöpfte und das Erschaffende Es gibt Phasen, in denen man funktioniert, aber nicht mehr lebt. Man macht weiter, weil man es immer getan hat, doch innerlich ist etwas zum Stillstand gekommen. Die Gedanken drehen sich, die Aufgaben laufen, die Tage reihen sich aneinander, und trotzdem bleibt das Gefühl, dass nichts wirklich entsteht. Diese Art von Erschöpfung ist existenziell. Sie zeigt, dass man den Kontakt zur eigenen schöpferischen Quelle verloren hat.
Viele Menschen, mit denen ich arbeite, beschreiben genau diesen Zustand. Sie sagen, sie hätten Ideen, aber keine Energie. Sie hätten Ziele, aber keine Freude. Sie spüren, dass sie viel können, aber nichts mehr fließt. In Wahrheit ist das kein Mangel an Fähigkeit, sondern an Verbindung. Wenn der innere Raum überlastet ist, zieht sich das Erschaffende zurück. Es wartet, bis wieder Klarheit da ist. Erschöpfung ist also kein Ende, sie ist vielmehr ein Symptom der Entkopplung zwischen innerem Sinn und äußerem Tun. Wer nur noch erfüllt, verliert den Zugang zum Ursprung. Wer ständig produziert, aber nichts mehr empfindet, kann nicht schöpfen.
Das Erschöpfte ruft zurück. Man kann Erschöpfung als Einladung lesen, die bisherige Bewegung zu unterbrechen und um sie zu verstehen. Wenn der Körper müde ist, ruft er nach Ruhe, wenn die Seele müde ist, ruft sie nach Wahrheit und das aus gutem Grund. Man muss verstehen, dass die schöpferische Energie sich eine Stimme verschafft, wenn sie lange unterdrückt wurde. Sie ruft nach Kohärenz. Danach, dass Deine Bestimmung gelebt werden will. Dass Dein äußeres Leben in möglichst vielen Bereichen Deinem inneren Fahrplan entspricht. Erst wenn Denken, Fühlen und Handeln wieder zusammenfallen, entsteht wieder echte Kraft.
Ich habe oft gesehen, wie Menschen versuchen, ihre Erschöpfung zu bekämpfen. Sie machen Sport, meditieren, planen Pausen, doch innerlich bleibt dieselbe Leere. Aber Erschöpfung lässt sich nicht so ohne Weiteres durch Maßnahmen beheben, die mit dem jeweiligen Menschen im Grunde gar nichts zu tun haben, denn sie hat tiefer liegende Ursachen. Sie ist eine Antwort auf ein Leben, das nicht mehr stimmig ist. Man kann sie nicht wegtrainieren. Man kann sie nur verstehen. Das Erschöpfte ist der Teil, der aufhört, sich zu verstellen. Es will einfach nichts mehr vortäuschen. Er will keine Motivation, die nicht echt ist. Keine Begeisterung, die gespielt ist. Keine Stärke, die Kraft kostet. Wenn man beginnt, der Erschöpfung wirklich zuzuhören (und das ist es, was sie immer heftiger fordert, je länger man dies weiterhin nicht tut), entsteht etwas Neues: Wahrhaftigkeit. Und aus dieser Wahrhaftigkeit wächst wieder Energie.
Ich kenne diesen Moment selbst sehr gut. Meine eigene Lebensgeschichte ist durchwoben von jahrelangem psychischen und emotionalen Missbrauch, daraus resultierender Not und der Verschiebung des gesamten inneren Gefüges mit all seinen grausamen Auswirkungen, von denen wahrscheinlich nur diejenigen, die das auch erleben mussten oder müssen, wissen, wie fein sich dieser Einfluss in das Leben webt und wie ein Gift alles Schöne zu vernichten droht. Wenn man lange über Grenzen lebt oder leben muss, verschiebt sich das Maß. Der Körper läuft weiter, die Gedanken funktionieren, aber innerlich reißt etwas ab. Man sieht noch, was getan werden müsste, aber man spürt nicht mehr, wofür. Erst wenn man innehält, Dinge erkennt und ändert, kehrt die Verbindung zurück. Langsam aber stetig. Wohltuend.
Zuerst kommt das Nichts, dann die Stille, dann das Verstehen. Ich habe selbst erlebt, wie gefährlich es ist, diese Not zu übergehen. Wie man versucht, weiter nach außen zu funktionieren: Arbeit, Struktur, Aktivität. Doch was fehlt, lässt sich nicht organisieren. Es will gesehen werden.
Wenn der Geist überfordert ist, zieht sich die schöpferische Energie zurück, um sich zu schützen. Erst wenn man aufhört, das zu ignorieren, was einen ganz wesentlich ausmacht, wenn man erkennt, was einen so auslaugt und diese Einflüsse entweder beendet oder ändert, kehrt sie zurück. Man merkt es daran, dass wieder Interesse entsteht. Dass man Dinge wieder wahrnimmt, statt sie nur abzuarbeiten.
Wenn der innere Widerstand nachlässt, wenn man sich selbst wieder zuhört, beginnt die Bewegung von allein. Man spürt wieder Neugier, kann wieder entspannen und bringt sich ein in neue Projekte oder hat einfach wieder viel mehr Drive.
Im Rückblick erkennt man dann, dass der Grund der Erschöpfung weniger mit fehlender Erholung zu tun hatte als mit nicht existenter Orientierung. Man erkennt, wie ungeordnet man war, wie falsch man seine Prioritäten gesetzt hat und wie wenig man seine tatsächlichen Bedürfnisse beachtet hat. Zu viele gegensätzliche Impulse, zu viele Erwartungen, zu wenig Kontakt mit dem, was wirklich für einen persönlich Sin macht.
Durch Deep Mapping™ wirst Du Dir über Deine innere Struktur bewusst und Dein System ordnet sich wieder. Der Körper folgt, der Geist folgt, das Leben folgt. Mit der Zeit wird klar, dass das Erschöpfte und das Erschaffende keine Gegensätze sind. Sie gehören zusammen. Das eine ruft nach Wahrhaftigkeit, das andere antwortet mit Form.
Das Erschöpfte zeigt, wo man sich verloren hat. Das Erschaffende bringt einen dorthin zurück, wo man wieder verbunden ist. Zwischen beiden liegt die Bewegung, die alles erneuert. Wenn man diesen Punkt erkennt, verändert sich alles. Man hört auf, Energie zu suchen, und beginnt, Energie zuzulassen. Man erkennt, dass Schöpfung ein Zustand ist, der nicht durch bloßes Tun simuliert werden kann. Deine Kraft entsteht aus Klarheit. Und Klarheit entsteht aus Wahrheit. Das Erschöpfte war nie das Gegenteil des Erschaffenden. Es war sein Anfang.





